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Guide zur Transexualität

von Bernd L.
Mittwoch, 20. Dezember 2006
... Das genetische Geschlecht: XX oder XY

Das genetische Geschlecht: XX oder XY

Vielleicht liegt der Grund in der Erziehung? Tatsächlich entstammen überdurchschnittliche viele Transsexuelle vaterlosen Familien. Viele können sich erinnern, daß ihre Mutter ein Spielverhalten förderte, daß nicht ihrem biologischen Geschlecht entsprach. Für die Frau-zu-Mann-Transsexuellen bedeutete die erste Regel seelisch eine Katastrophe. Aber auch hier handelt es sich nur um Indizien. Viel mehr, die solche Bedingungen in der Kindheit erlebten, wurden nicht transsexuell, während eine nicht unbeträchtliche Minderheit von Transsexuellen aus ganz „normalen" Elternhäusern stammt.

Transexuelle(r)Wahrscheinlich gibt es keine eindeutige Ursache für den Geschlechtswechsel. Der Begriff Transexualität suggeriert, daß es sich um ein einheitliches Phänomen handelt. Aber in Wahrheit liegt nur eine äußerliche Ähnlichkeit vor, und die Gründe sind in jedem Fall anders. Um das zu verstehen, müssen wir uns nur anschauen, wie das Geschlecht des Individuums sich entwickelt.

Wir haben alle in der Schule gelernt, daß das Geschlecht genetisch festgelegt ist. Die weiblichen Eizellen tragen ausschließlich X-Chromosomen, während zwei Arten männlicher Samenzellen vorkommen, eine Hälfte trägt X-Chromosomen, die andere Hälfte Y-Chromosomen. Nach der Berfruchtung liegt entweder eine XX-Zygote („Zygote" heißt das Verschmelzungsprodukt von Ei- und Samenzelle) vor - daraus wird ein Mädchen - oder eine XY-Zygote - ein zukünftiger Junge - vor. Wäre damit über das Geschlecht des Kindes entschieden, käme Transsexualität nicht vor. In Wirklichkeit ist der Prozeß viel komplizierter. Über das Geschlecht wird nicht nur einmal, sondern mindestens viermal in zeitlichen Abständen entschieden. Wir haben nicht nur ein (männliches oder weibliches) Geschlecht, sondern vier:

  • Das genetische Geschlecht: XX (weiblich) oder XY (männlich).

  • Das hormonelle Geschlecht: die Erbanlagen auf dem XX- bzw. XY-Chromosom sorgen zunächst nur für die Hormone, also Botenstoffe, die im Körper kreisen und die eigentliche Geschlechtsentwicklung einleiten. Fehlen männliche, also Y-Geninformationen, entstehen automatisch weibliche Hormone. Das weibliche Geschlecht ist also immer primär. Ein Junge entwickelt sich nur, wenn zu den weiblichen männliche Informationen hinzukommen. Tritt bei der Ablesung des Y-Anteils im Geschlechtschromosom ein Fehler auf, entwickelt sich wegen rein weiblicher Hormone ein Mädchen, trotz der XY-Genanlage.

  • Das körperliche Geschlecht: die Hormone steuern die Entwicklung der weiblichen oder männlichen Geschlechtsorgane, aber auch der entsprechenden Zentren im Gehirn. Dadurch empfinden wir später so, wie wir äußerlich gebaut sind. Tritt hier ein Fehler in der vorgeburtlichen Entwicklung auf - etwa durch Streß der Mutter - können verschiedene Abweichungen auftreten. Die männlichen Geschlechtsorgane eines XY-Kindes entwickeln sich nur teilweise. Bei der Geburt hat das Kind dann einen kleinen Penis, aber auch Schamlippen. Oder die körperliche Entwicklung ist männlich, aber das Gehirn empfindet „weiblich". Das wäre eine mögliche Ursache für Transsexuelität, aber auch für Homosexualität. Der Unterschied liegt dann in der Frage, ob nur die sexuelle Orientierung (Homosexualität) oder auch die sexuelle Identität (Transsexualität) von der Abweichung betroffen ist.

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